DER BLONDE ECKBERT Judith Weir nach Ludwig Tieck |
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Tiroler Landestheater Innsbruck, Premiere im Nobember 2007, Musikalische Leitung: Hansjörg Sofka, Bühne und Kostüm: Julia Scheeler Vorlage für
Judith Weirs Opernbearbeitung ist das gleichnamige Märchen von Ludwig
Tieck. Zeitgenossen von
Tieck waren ratlos und teilweise sogar erbost über die Unmöglichkeit
besagtes Märchen in eine Gattung einzuordnen. In der Rezeption wird
immer wieder die eigenartige Wirkung thematisiert, die das Märchen
gerade dadurch erzielt, daß es ohne das Schreckliche, Grausige dezidiert
zu benennen, Unbehagen und Schauer erregt. Das gesamte Stück
spielt in einem Einheitsraum, im dem Wohnzimmer, in dem Eckbert mit seinem
Hund und seinem Vogel lebt. Schaut man genauer hin, macht sich sein klaustrophobischer
Charakter bemerkbar, denn dieser Raum hat keinen Ausgang. Hinter Mauervorsprüngen
befinden sich dunkle Ecken, in die der Zuschauer keinen Einblick hat,
so daß die genaue Anzahl der im Raum anwesenden Figuren nie feststellbar
ist. Die Figuren, allen voran Eckbert, bewegen sich merkwürdig angespannt
wie Käfigtiere, so als erwarteten sie jeden Moment etwas Unvorhergesehens.
Es bleibt offen, ob sie wirklich existieren oder bloß Produkte von
Eckberts Phantasie sind. Das Märchen
und seine Opernbearbeitung haben gemeinsam, daß sie, zumindest was
die äußere Handlung betrifft, handlungsarm sind und zum Großteil
aus langen reflexiven Passagen bestehen. In der Inszenierung wird diese
Tatsache insofern aufgegriffen, als daß auch hier die Illustration
der Handlung stark zurückgenommen ist. Dadurch wird die Phantasie
der Zuschauer angeregt und sie werden selbst zu Produzenten von Räumen
und Bilderwelten. Es entsteht ein Spannungsfeld zwischen der Vorstellung
des Zuschauers und der Realität des auf der Bühne Dargestellten.
So ergeht es dem Zuschauer ähnlich wie der Figur Eckbert: Auch er
vermag die Grenzen zwischen wirklich auf der Bühne Stattgefundenem
und Gesehenem und seinen Vorstellungen nicht mehr klar zu trennen. Jeder
Zuschauer wird am Ende des Abends eine unterschiedliche Geschichte gesehen
haben. |
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