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Staatstheater Mainz,
Premiere am 14.10.2006, Musikalische Leitung:Thomas Dorsch, Bühne
und Kostüme: Janina Janke
Der Komponist Anno
Schreier schafft aus Christa Wolfs erschreckend ernster Vorlage eine unterhaltsame
und in weiten Teilen komische Oper. Dabei steht die Tragik der beiden
lebensunfähigen Künstler Heinrich von Kleist und Karoline von
Günderrode im krassen Kontrast zu der sie umgebenden Spaßgesellschaft.
Schreier zitiert verschiedene Musikstile von der Barockarie über
das romantische Klavierlied bis zur Zwölftonmusik. Diese Stilkopien
werden mit falschen Tönen und kleinen fast unmerklichen Veränderungen
absichtlich so ins Groteske gezogen, daß alles aus dem Gleichgewicht
kippt. Durch diese musikalische Maskerade erreicht Schreier, daß
das bekannte musikalische Material fremd erscheint und somit sein Materialcharakter
umso deutlicher hervortritt.
Die Inszenierung greift das Spiel mit den Stilzitaten auf mehreren Ebenen
auf: In Kostümen und Bühnenbild werden unterschiedliche historische
Stile zitiert. Das Stück spielt in der DDR der 70ger Jahre und in
der Romantik, hinzu kommt die in der Inszenierung als Südseeinsel
dargestellte romantische Zukunftsutopie. Die Darsteller spielen mit Rollenmustern
und wechseln sichtbar auf der Bühne und hoch virtuos Masken, Perücken
und Kostüme. Theatermittel werden zitiert, indem beispielsweise Material
bewußt sichtbar gemacht wird, etwa durch eine überdimensionale
Kokosnuß, die aus dem Schnürboden herunterfällt und mehrmals
hüpft, wenn sie auf den Boden aufschlägt. Die Theatermaschinerie
wird vorgeführt, beispielsweise indem Theaterscheinwerfer auf der
Bühne von den Sängern bewegt werden.
So entstand ein großes Spektakel, in dem auch das Theater als Ort
der Utopieverwirklichungsversuche demontiert wurde.
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