SITT MARY-ROSE Etel Adnan, Fassung von Anna Malunat und Hannah Schwegeler

 

 

 

 

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FFT Düsseldorf, Uraufführung am 31.10.2009 und Theater Oberhausen am 15.11.2009 Bühne: Jan Kattein,Kostüme: Mona Ulrich, Musik: Simon Camatta

Eingebettet in den Kontext des libanesischen Bürgerkrieges erzählt Etel Adnan die Geschichte zweier Menschen in Beirut, die die Brutalität und Unmenschlichkeit des Krieges ins Unermeßliche potenziert: Die libanesische Christin Marie-Rose wird im Konflikt zwischen Libanesen und Palästinensern von einer christlichen Miliz entführt, da sie sich in palästinensischen Flüchtlingslagern engagiert und mit einem Palästinenser liiert ist. Ausgerechnet ihre einstige Jugendliebe Mounir steht ihr jetzt als Feind gegenüber. Er läßt sie foltern und hinrichten.

Ein Krieg hebt alle bestehenden Ordnungen auf: die zeitliche und räumliche Ordnung, ebenso wie die Logik der Gerechtigkeit und die Trennung zwischen Mensch und Tier. Etel Adnan benutzt das Schreiben als Instrument, um Ordnung in das Chaos zu bringen und eine Distanz zu den Ereignissen des Krieges zu schaffen. Die Adapation für die Bühne zielt darauf, diese Distanz aufzuheben, und den Lärm und das Chaos des Krieges und die Geschichte der Titelfigur Marie-Rose unmittelbar erlebbar zu machen.
Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der hauptsächlich durch akustische Sinneseindrücke beschriebenen Stadt Beirut im Krieg. In diesem Umfeld bildet ein Chor taubstummer Kinder den denkbar größten Kontrast zum Lärm des Krieges.

Der erste Teil des Stücks beschreibt den Kontext in dem die Geschichte, die im zweiten Teil erzählt wird, stattfindet, überhaupt erst stattfinden kann. Er ist als episch-szenisches Konzert angelegt, d.h. er läßt sich als Patritur beschreiben, bestehend aus dramatischen und epischen Stimmen und aus Geräuschen, komplex miteinander verwebt.
Das Bühnenbild besteht aus Gipskacheln, die während des Spiel zerbrechen, und so ganz anschaulich machen, wie eine Welt zu Bruch geht. Sie haben die Eigenschaft auf eine bestimmte Weise zu klingen, beispielsweise wie Feuer, wie das Einstürzen von Häusern oder das Zerbechen von Knochen.
Auf den Trümmern beginnt der zweite Teil, die Tragödie der Sitt Marie-Rose, in der zwischen den Figuren dasselbe geschieht wie im übergeordneten Kontext des Krieges: Es findet kein wirklicher Dialog statt, sondern es geht jeder Figur darum, ihr Weltbild zu verteidigen und zu platzieren. Sprechen wird benutzt als Waffe und als Identitätsbehauptung: Solange ich spreche lebe ich. Angesichts des durch das Zerbersten der Kacheln entstehenden Lärms werden Sätze zu Fetzen, laut herausgestoßen, atemlos und Worte gehen verloren.

Am Ende liegt eine Welt in Scherben, übrig bleiben Splitter und Fetzen von Identitäten, Sätzen, Worten und Beziehungen. Am Ende sind alle Opfer, ohnmächtig angesichts der Macht des Krieges.

mehr Bilder (von Oliver Paul)...